Überlebenshilfe für den Steinkauz

Fotos B.Glüer

Der Steinkauz ist unsere kleinste heimische Eulenart. Er ist ein Höhlenbrüter, der gern in Höhlen von Kopfweiden brütet. Genauso wie die Schleiereule leidet der Steinkauz unter Brutplatzmangel. Auch ihm kann durch das Anbringen von Brutröhren, die vor allem auf Seitenästen alter Bäume befestigt werden, geholfen werden. Mittlerweile wurden 106 Brutröhren in alten Obstwiesen oder anderen geeigneten Stellen im Siedlungsbereich angebracht. Die Beschlagnahme durch den Steinkauz lässt meistens nicht lange auf sich warten. Die Bestandsentwicklung ist mittlerweile sehr erfolgreich verlaufen, wie die nachfolgenden Zahlen belegen.

Im Jahr 2010 waren in 103 kontrollierten Brutöhren 38 Brutpaare mit 121 Jungen erfolgreich, das sind durchschnittlich 3,2 Junge pro Brut.
3 Brutpaare brüteten in Schleiereulenkästen, davon 1 Paar erfolgreich mit 3 Jungvögeln.

Im Jahr 2011 waren in 91 kontrollierten Brutröhren 35 Brutpaare mit 101 Jungen erfolgreich, das sind durchschnittlich 2,9 Junge pro Brut.
Im Jahr 2012 waren in 96 kontrollierten Brutröhren 37 Brutpaare mit 119 Jungen erfolgreich, das sind durchschnittlich 3,2 Junge pro Brut.

Im Jahr 2013 waren in 92 kontrollierten Brutröhren 34 Brutpaare mit 92 Jungen erfolgreich, das sind durchschnittlich 2,7 Junge pro Brut. 2 Brutpaare brüteten in Schleiereulenkästen, davon 1 Paar erfolgreich mit 3 Jungen.
Im Jahr 2014 waren in 96 kontrollierten Brutröhren 30 Brutpaare mit 88 Jungen erfolgreich, das sind durchschnittlich 3 Junge pro Brut.
Im Jahr 2015 fanden keine Brutkontrollen statt.

Steinkauz-Bruterfolg

  Naturhöhle in einer Kopfweide           Naturhöhle in einem Apfelbaum

Anbringen einer Steinkauzröhre

Ein Tag als "Eulen-Kontrolleur" (2010)

Start

Morgens um 9.00 Uhr geht's los

mit einer Ausziehleiter auf dem

Dachgepäckträger. Wir sind zu zweit.

Heute sollen Schleiereulenkästen

und Steinkauzröhren kontrolliert

werden, um den Bruterfolg

festzustellen.

Die meisten Nistkästen für Schleiereulen sind auf Dachböden alter Bauernhöfe oder Scheunen angebracht, an deren Giebel man noch das traditionelle Eulenflugloch findet. Da manche hoch oben unter dem Dachfirst hängen, ist schon mal Akrobatik nötig, wenn die Leiter nicht aufgestellt werden kann oder zu kurz ist. Horst Napierski meistert soiche Klettertouren mit 75 Jahren noch souverän.

                  Alter Hof                         Einflugloch mit Kotspritzer           Einsatz auf dem Dachboden       

Im ersten Kasten haben wir sofort Glück! 5 kleine Wollbällchen mit Eulengesichtern schauen uns an. Die Jungen sind ca. 3 1/2 Wochen alt und alle wohlgenährt.
Beim nächsten Kasten verlässt ein Altvogel fluchtartig den Dachboden und schwingt sich unmutig in den hellen Tageshimmel. Im Kasten liegen nur 3 tote Mäuse und einige Gewölle.
Im folgenden Bauernhof finden wir nur zwei kalte Euleneier. "Daraus wird nichts mehr!", erklärt mir  "Eulenvater" Horst Napierski.
Aber insgesamt sieht's doch besser aus, wir zählen an diesem Mittwoch bei 3 Brutpaaren 16 Junge.

                     Eier                                            Gewölle                                junge Schleiereule       

                                       Eine Turmfalkenfamilie hat sich im Kasten breit gemacht!

Die Steinkauzröhren können wir oft neben den  Höfen gleich mit kontrollieren. Häufig hat Horst sie an den unteren Ästen der alten Hof-Eichen angebracht oder  auf  nahen Viehweiden an Obstbäumen  befestigt, die der Steinkauz auch gerne als Ansitz benutzt.
Am Ende der Röhre hat sich oft ein Berg von "Schiet" angesammelt, der erstmal rausgekratzt werden muss. Wenn es dafür zu eng ist, müssen wir manchmal einzelne Jungvögel für kurze Zeit in den Eimer setzen, den Horst mit Holzschnitt gefüllt hat. Als "Streu" werden davon einige Handvoll auf dem  Boden der gereinigten Niströhre verteilt. In einer Röhre starrt uns der Altvogel, der bei seinen  Jungen sitzt, erstaunt an, bleibt aber ruhig sitzen.

                Säubern der Steinkauzröhre                                       Junger Steinkauz

Manchmal rauben Marder die Brut und richten sich in der Höhle häuslich ein. Unangenehm kann's werden, wenn einen beim Öffnen der Röhre ein Schwarm Hornissen begrüßt. Aber diesmal geht alles glimpflich ab. Wir zählen an diesem Tag insgesamt 20 Junge beim Steinkauz. Um 17.00 Uhr machen wir Schluss.
Es ist ein gutes Mäusejahr. Vielleicht gibt es noch einige Nachbruten?
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                                                                    Welch ein Blick!