Entstehung

So begann es

Am 18. Januar 2008 konnte der Arbeitskreis für Umwelt und Heimat auf sein 30-jähriges Vereinsjubiläum zurückblicken. Die Ursprünge liegen allerdings schon ein paar Jahre länger zurück.

Bereits Anfang 1971 hatte sich auf Anregung des Museumsleiters der Stadt Lünen, Dr. Wingolf Lehnemann, eine kleine Gruppe interessierter Bürger zusammengefunden, mit dem Ziel, für den Schutz der heimatlichen Umwelt einzutreten, die Ortsgeschichte weiter zu erforschen und heimatkundliche Bestrebungen in vielen Bereichen zu unterstützen. Neben dem Initiator nahmen an diesem ersten Treffen im damaligen Museum der Stadt Lünen an der Cappenberger Str. 62, der Archivar der Stadt Lünen Adolf Reiß, Rektor Theodor Semmler, Realschullehrer Martin Soyka, Archivar Dr. Peter Löffler sowie der Gärtner Fritz Karl Münster teil. Diesem Kreis schlossen sich schon bald weitere Interessenten an.

Am 25. Februar 1971 wurde unter dem Leiter der Lüner Volkshochschule, Hans Oskar Frenz, die Bildung eines „heimatkundlichen Arbeitskreises“ eingeleitet, der unter dem Dach der Volkshochschule tätig werden und eng mit dem Lüner Stadtarchiv zusammenarbeiten sollte. In einer weiteren Sitzung im März 1971 wurde über die Organisation, künftige Tätigkeit sowie die Aufgaben des zu gründenden Arbeitskreises beraten. Gleichzeitig wurde beschlossen, die Arbeitsgemeinschaft „VHS-Arbeitskreis für Umwelt und Heimat“ zu nennen.

Die Aufgaben des Arbeitskreises wurden in zwei Bereiche aufgeteilt. Den Fragen der Geschichte, des Siedlungswesens, der Volkskunde sowie der Bau- und Kunstgeschichte war der erste Bereich gewidmet; die heimische Tier- und Pflanzenwelt und die damit zusammenhängenden Fragen des Umweltschutzes standen im Mittelpunkt des zweiten Bereiches.

 

Die erste Sitzung des „VHS-Arbeitskreises für Umwelt und Heimat“ fand am 12. Mai 1971 auf Einladung der Volkshochschule in der Realschule Lünen-Mitte (heute Geschwister Scholl Gesamtschule) statt. 

 

Die sogenannte Napoleonsbuche

Das Lüner Stadtarchiv wurde zur Geschäftsstelle bestimmt (wozu die Stadtverwaltung ihre Zustimmung erteilte). Anschließend wurden Arbeitsgruppen für bestimmte Bereiche gebildet. 

Das erste Ergebnis einer Arbeitsgruppe war eine Liste aller in Lünen vorhandenen Naturdenkmale, dazu zählen Bäume, kleinräumige Naturbereiche, Findlinge u.a.m. Fritz Karl Münster und Adolf Reiß haben diese umfangreiche Arbeit, in der jedes Objekt mit ausführlicher Beschreibung und einem Foto dargestellt wurde, erstellt. Es wurden natürlich auch Vorschläge für Neuausweisungen von Naturdenkmalen auf dem Stadtgebiet von Lünen gemacht.


Baudenkmal:Schlossmühle in Lippoldhausen

Ende 1971 war bereits die zweite Arbeit fertig! Wolfgang Balzer, Dr. Wingolf Lehnemann, Dr. Peter Löffler und Adolf Reiß legten eine 40-seitige bebilderte Studie über „Erhaltenswerte Gebäude, Straßen und Plätze in Lünen“ vor. Diese Denkschrift zum Schutz der Lüner Baudenkmale fand ein positives Echo weit über die Lüner Grenzen hinaus. Deswegen musste im Jahre 1973 eine zweite Auflage unter dem neuen Titel „Erhaltenswerte Festpunkte in Lünen – wegen ihrer Eigenart zu beachtende Straßen und Plätze, Grünflächen und Gebäude“ herausgegeben werden. Leider wurde schon vor der Erstellung dieser Studie eine Vielzahl erhaltenswerter Bausubstanz abgerissen und damit für immer zerstört. Die noch vorhandenen Reste verdienen es, für künftige Generationen erhalten zu werden. Zu einer Stadt mit jahrhundertealter Geschichte gehören nun mal Gebäude und Objekte, die von der Vergangenheit Zeugnis ablegen.

Am 13. Dezember 1974 wurde das aktive Mitglied, Manfred Scholz, zum stellvertretenden Ortsheimatpfleger vorgeschlagen. Damit waren nun zwei Beauftragte als Kontaktpersonen bzw. Mittler zu den Behörden tätig. Im Jahre 1975 gehörten dem Arbeitskreis 45 Mitglieder an. Im gleichen Jahr übernahm Dr. Peter Löffler neben seiner Tätigkeit als Ortsheimatpfleger auch den Vorsitz des Arbeitskreises für den ausgeschiedenen Wolfgang Balzer. Nachfolger von Dr. Peter Löffler als Ortsheimatpfleger wurde im Oktober 1976 Martin Soyka.

Inzwischen waren auch die Bemühungen des Arbeitskreises zum Schutz der Umwelt voll angelaufen. Im April 1977 konnte die in jahrelanger Arbeit fertig gestellte Studie „Vorschläge zum Erhalt und zur Neufestsetzung von Natur- und Landschaftsschutzgebieten im Stadtbereich Lünen“ an die zuständigen Behörden der Stadt Lünen und des Kreises Unna übergeben werden. Die mit ausführlichen Texten, umfangreichem Kartenmaterial und vielen Bildern ausgestattete 55-seitige Broschüre wurde als Arbeitsgrundlage für die Erstellung des Landschaftsplanes für das Gebiet der Stadt Lünen verwendet. Der Landschaftsplan soll den Schutz, die Entwicklung und Pflege der Landschaft sicherstellen. Die meisten der gemachten Vorschläge zum Schutz des Freiraumes wurden schließlich auch verwirklicht.

Davor musste allerdings in einigen Bereichen noch hart um den Erhalt mancher wertvoller Gebiete gerungen werden. Hervorzuheben sind hier besonders:

Geplanter Ausbau des Mühlenbaches an der alten Schlossmühle in Lippholthausen

Im Jahr 1975 plante hier der Lippeverband als Hochwasserschutzmaßnahme den Ausbau des sich hier idyllisch dahinschlängelnden Mühlenbaches sowie den Bau eines Regenrückhaltebeckens in Nähe der Lippe. Es wäre ein gewaltiger Eingriff in die reizvolle Umgebung der Schlossmühle gewesen, den der Arbeitskreis auf jeden Fall verhindern wollte. Bei einer Ortsbegehung mit allen Beteiligten wurde von unserer Seite der Vorschlag unterbreitet, das Regenrückhaltebecken auf einem Ackerfeld vor der Mühle in Nähe der Eisenbahn anzulegen. Dadurch könnte der Ausbau des Mühlenbaches entfallen. Dem Vorschlag wurde gefolgt, so dass die Idylle um die alte Schlossmühle erhalten werden konnte. 

Vorgesehenes Zukippen eines Feuchtgebietes in Schwansbell

Die Ruhrkohle AG hatte den Antrag gestellt, ein durch Bergsenkungen entstandenes Feuchtgebiet in Schwansbell, und zwar im Dreieck zwischen Kanal, Eisenbahn und Kamener Straße mit Bergematerial zu verfüllen und als Halde anzulegen. Dadurch wäre ein besonders wertvolles Feuchtgebiet vernichtet worden. Vom Arbeitskreis angeregte pflanzensoziologische und ornithologische Gutachten sowie mehrere Ortsbegehungen mit den Genehmigungsbehörden führten schließlich dazu, dass dieser Bereich unangetastet blieb und schließlich im Landschaftsplan Lünen von 1985 als Naturschutzgebiet ausgewiesen wurde.

Gerade der Einsatz für den Freiraum sowie den Erhalt schützenswerter Bausubstanz und damit erforderliche kritische Stellungnahmen zur Stadtentwicklung, führte unweigerlich zu Konflikten mit der Verwaltung und vor allem mit den politischen Parteien. Es wurde dem Arbeitskreis nahe gelegt, die Volkshochschule Lünen zu verlassen. Im Oktober 1977 erfolgte dieser Schritt. In einer Sitzung im Dezember 1977 wurde beschlossen, den Arbeitskreis als selbstständigen Verein weiterzuführen und dem Westfälischen Heimatbund beizutreten.


So ging es weiter

Die konstituierende Sitzung des Vereins „Arbeitskreis für Umwelt und Heimat e.V.“  fand am Mittwoch, dem 18. Januar 1978 unter der Leitung des Geschäftsführers des Westfälischen Heimatbundes, Dr. Husmann, in der Stadtbildstelle an der Viktoriastraße statt.

Zum Zeitpunkt der Gründung hatte der Verein 22 Mitglieder. Diese beschlossen die Satzung und wählten folgende Personen in den ersten Vorstand:

1.Vorsitzender: Manfred Scholz

   stellvertr. Vorsitzender:Martin Soyka

   Schriftführer: Adolf Reiß

   Kassierer: Horst Vollmer

 

Als erste Beiratsmitglieder wurden von der Mitgliederversammlung

Wolfgang Balzer, Fritz Masuhr, Fritz Karl Münster, Dietrich Röttger, Klaus Papius, Karl Walter

und Joachim Pflaume benannt.